12 Tipps für gute Tipps – Teil 1

Tipps, Ratschläge oder Hinweise. Hunderte und Tausende erhalten und geben wir unser Leben lang, meistens persönlich im direkten Gespräch. Doch wann und wie gibt man gute Tipps? Was sind eigentlich gute Tipps? In vielen Gesprächen unter Freunden und Bekannten habe ich so manche Erfahrung gesammelt, die ich gerne weitergebe. Auf den ersten Blick scheint ja alles so klar zu sein. Aber immer wieder stelle ich fest, dass dem nicht so ist. 

In einer zweiteiligen Serie werde ich darauf eingehen. Heute mal die ersten 6 Tipps.

Ich bemühe mich selber diesen Erkenntnissen Folge zu leisten, doch scheitere in der Umsetzung ab und zu kläglich. Trotzdem soll mich das nicht davon abhalten, diesen Beitrag publik zu machen. Tipp-Geben kann man lernen!

  1. Gib nicht ungefragt Tipps. Es bringt nichts, jemandem etwas beibringen zu wollen, der gar nicht dazu bereit ist. Natürlich gibt es Situationen, in denen dein Gegenüber nicht explizit nach deinem Rat fragt, sondern aus der Situation heraus eine Antwort von dir erwartet. Achte darauf, dass dies wirklich der Fall ist. Aufdringlichkeit in Form von unerbetenen Ratschlägen fördert das Vertrauen in dich nicht.
  2. Geh sparsam mit Tipps um. Etwas Wertvolles ist rar und etwas Rares sollte auch wertvoll sein. Ratgeber, die dich mit Tipps Maschinengewehr-Salven-ähnlich eindecken,  wirken oberflächlich, arrogant und besserwisserisch. Wenn du einer solchen Person gegenüberstehst, kommen in dir Gedanken hoch, die etwas so klingen: „Steck dir deine Tipps sonst wo hin…“ oder „Hol wieder mal Luft und verduft‘!“ Es ist naheliegend, dass diese Tipps nie Anwendung finden. Denn viele eifrige Tippgeber wollen damit Kompetenz vortäuschen, was aber schnell durchschaut wird. Im Stil: Wer viel zu sagen hat, ist wichtig. Darum gib keine vorschnelle und unüberlegte Antwort.

    Etwas Wertvolles ist rar und etwas Rares sollte auch wertvoll sein.

  3. Bevor du überhaupt den ersten Tipp gibst: Höre zu. Höre wirklich zu, nämlich aktiv! Meine Gedanken schweifen oft ab, noch bevor mein Gegenüber seine Lage zu Ende geschildert hat. Ich ertappe mich dann jeweils schon bei der Lösungssuche des Problems. So passiert es leicht, dass ich wichtige Details überhöre. Spätestens wenn dein Gesprächspartner auf eine Nachfrage deinerseits mit den Worten „Das habe ich dir doch soeben erzählt!“ reagiert, solltest du an diesem Punkt arbeiten, so wie ich das auch immer wieder tun muss.
  4. Aktives Zuhören bedeutet, dass du bei Unklarheiten Rückfragen stellst. Folgere nicht einfach drauf los, wenn dir etwas suspekt, unlogisch oder unerklärbar scheint, sondern frage nach, bis du die Sachlage verstanden hast. Ich habe festgestellt, dass diese beiden letzten Punkte (aktives Zuhören und Rückfragen stellen) ein grosses Selbstheilung-Potential beinhalten. Nicht selten hat der Ratsuchende noch während dem Gespräch und meinen aktiven Rückfragen eigene Einsichten und Ideen, wie er sich aus seiner misslichen Lage befreien kann… und nur darum, weil er ein aufmerksamer Zuhörer hatte, dem er seine Gedankengänge kund tun konnte.
  5. Versuch dich in die Lage des Gegenübers zu versetzen. Wenn du zugehört hast und Unklarheiten beseitigt wurden, fällt es dir bestimmt leichter, diesen wichtigen und letzten Schritt, vor einer allfälligen Tipp-Abgabe, zu machen. Die Aussage „Ich verstehe dich…!“ MUSS ehrlich gemeint sein. Erst jetzt bist du eventuell in der Lage einen Tipp zu geben.
  6. Haben den Mut zu schweigen, wenn du nichts zu sagen hast. Manch einer hat mit diesem Punkt am Meisten Mühe. Unser wissenschaftsgläubiger Zeitgeist, der uns suggeriert, auf alles und jedes eine Antwort haben zu müssen, lässt uns als Versager dastehen, wenn wir diesem Anspruch nicht gerecht werden. Doch das stimmt gar nicht. Es wird immer wieder vorkommen, dass wir Geschichten hören, die wir so nicht erlebt haben oder die uns überfordern. Der Tod eines Kindes, ein Krebsleiden, ein schrecklicher Unfall oder der Verlust eines Partners….., um nur einiges zu nennen. In solchen Momenten hoffe ich für dich, dass es dir die Sprache verschlägt! Dann ist es bestimmt besser, wenn du dem Betroffenen den Arm auf die Schulter legst und still mit ihm mitleidest, als dumme Floskeln wie „Du, das wird schon wieder!“ oder „Du musst jetzt auf dich schauen!“ oder „Es geht bestimmt wieder aufwärts!“ von dir zu geben. Diese mitfühlende Handlung kann mehr bewirken als jeder ausgesprochene Tipp – einfach ohne Worte! Es gibt Momente, wo Schweigen Silber UND GOLD ist, die beste und die zweitbeste Variante……, einfach weil Reden kein Platz hat.

Es gibt Momente, wo Schweigen Silber UND Gold ist, die beste und die zweitbeste Variante……, einfach weil Reden kein Platz hat.

Bis jetzt haben wir nur die „Vorbereitung“ besprochen – aber wie sieht das nun konkret beim Ratschlag geben aus? Was sind meines Erachtens Voraussetzungen, auf die du auch achten musst? Antworten zu diesen Fragen liefert mein zweiter Artikel, den ich nächste Woche veröffentlichen werde.

Wie bereitest du dich aufs Tipp geben vor?

    • Gar nicht, ich rede das, was mir gerade spontan dazu einfällt!
    • Ein paar Gedanken mache ich mir schon, aber meine Antworten tönen immer so hohl in meinen Ohren.
    • Ich mache das alles viel besser! Was ist das für ein oberflächlicher Artikel?

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