12 Tipps für gute Tipps – Teil 2

Was sollte man tun und beachten bevor man gute Tipps geben will? Auf diese Frage habe ich letzte Woche die erste 6 Tipps dir auf den Weg mitgegeben. Nun die nächsten 6 Tipps.In Kurzform nochmals die ersten sechs Ratschläge:

  1. Gib nicht ungefragt Tipps.
  2. Geh sparsam mit Tipps um.
  3. Höre zu. Höre wirklich zu, nämlich aktiv!
  4. Aktives Zuhören bedeutet, dass du bei Unklarheiten Rückfragen stellst.
  5. Versuch dich in die Lage des Gegenübers zu versetzen.
  6. Haben den Mut zu schweigen, wenn du nichts zu sagen hast.
    Den ganzen Artikel mit allen Erläuterungen kannst du HIER nachlesen.
    Nun geht es aber mit Tipp Nummer 7 – 12 weiter mit der Fragestellung: Worauf sollte man aber nun bei der Tipp-Abgabe Wert legen?
    Tipps geben - aber wie? Weisses Männchen mit Fragezeichen
  1. Sei authentisch – gib nur Tipps, die du selber befolgen würdest, wenn du in dieser Lage wärst und die dir vermutlich eine Hilfe sind. Ich bin überzeugt, dass die „Du musst nur an dich glauben“-Sager selber die grösste Mühe hätten, würden andere ihnen solche Verallgemeinerungen und Ratschläge (in diesem Fall wirklich Schläge) geben.
  2. Bleibe ehrlich – es kann durchaus sein, dass der Notleidende seinen Teil dazu beigetragen hat, dass die Situation ist, wie sie ist. Diesen Umständen die ganze Zeit auszuweichen und nicht beim Namen zu nennen, ist nicht nur kontraproduktiv, sondern auch unehrlich. Sollte dann noch eine nichtanwesende Drittperson im Spiel sein, ist es zwar einfacher die Schuld allein ihr in die Schuhe zu schieben, aber gewiss nicht fair! Für eine nachhaltige Lösung der Dinge muss vor allem und zuerst das Verschulden (vorausgesetzt, dass es überhaupt ein Verschulden gibt) der Anwesenden geklärt werden. Denn nur diese können sich selber ändern und an der Nase nehmen.
    Ich hatte schon Gespräche mit Freunden, die meine Ehrlichkeit ihren Verfehlungen gegenüber im ersten Moment nicht goutierten, ja richtiggehend abweisend waren. Ich bin davon überzeugt, dass genau diese Personen, wenn sie ihre Krise überwunden und ihre Verfehlungen darin akzeptiert und verarbeitet haben, sich daran erinnern werden, dass meine Ehrlichkeit nicht von Schein und Sein anhängig ist, sondern von den Fakten. Und das wiederum baut Vertrauen auf. Wie heisst das Sprichwort? Ehrlich währt am Längsten!
  3. Erläutere Tipps – bebildere sie, wenn nötig. Wenn du schon in einer ähnlichen oder gleichen Situation warst, wie der Ratsuchende, zeige ihm den Lösungsweg aus deinem Dilemma auf, aber erwarte nicht das gleiche von ihm. Auch wenn seine Situation punktgenau die gleiche ist, wie du sie erlebt hast…., er ist ein anderer Mensch mit anderen Voraussetzungen und Erlebnissen. Folgere nicht für ihn und dich, dass dein Lösungsweg der einzig richtige ist…, auch wenn es bei dir vielleicht so war!
    Tipp geben - aber wie? Weisses Männchen, das sich an den Kopf greift mit Fragezeichen
  4. Gib realistische Tipps – und damit meine ich nicht, dass das Empfehlen eines Ganges nach Canossa von vornherein vermieden wird. Es kann durchaus sein, dass dem Ratsuchenden ein Tipp von dir nicht unbedingt Wohlgefühl in ihm auslösen kann…, und er vielleicht diesen im ersten Moment nicht gehen will. Vielleicht braucht er genau diesen Tipp. Mit unrealistischen Tipps meine ich Ratschläge, die ihn veranlassen wegzuschauen, sich abzulenken, nicht mehr daran zu denken, in der Hoffnung, dass Gras darüber wächst. Das wird vielleicht kurzfristig nützen, aber sobald der Rasenmäher der Erinnerung wieder das frischgewachsene Gras schneiden wird………, kommt alles wieder hoch.
  5. Respektiere die Haltung deines Freundes zu deinem Tipp. Ob er deine Tipps annimmt oder nicht, ist nicht deine Verantwortung und solltest du auch nicht persönlich nehmen. Einerseits sind wir, wie ich bereits in Tipp 9 erläutert habe, alle verschieden und nicht gleichgeschaltet. Obwohl wir vielleicht schon stundenlang dem Gegenüber zugehört haben, fehlt uns immer ein Teil des Gesamtbildes des Problems. Denn wir stecken nicht in seiner Haut.
    Andererseits sind es nicht wir, die einen ersten Schritt machen können und müssen, sondern der Ratsuchende. Wikipedia erwähnt dazu: „Ein Ratschlag ist üblicherweise keine direkte Lösung eines Problems, sondern zeigt den ersten Schritt in Richtung eines gewünschten Ergebnisses auf.“ Wer muss den ersten Schritt machen? Auch muss er selber entscheiden, ob er dem Tipp Folge leisten will und kann. Wir können und sollen das nicht für ihn tun.
    Tipp geben - aber wie nur? Weisses Männchen mit grossem rotweissem Fragezeichen
  6. Und zu guter Letzt wohl der wichtigsten Tipps, vorallem in Bezug auf persönliche Gespräche. Jeder der diesen Artikel bis hierhin gelesen hat, würde vermutlich diesen als vollkommen logisch ansehen…, und doch erlebe ich es immer wieder anders.
    Es gibt keinen vernünftigen Grund, alles dem Nächstbesten gleich brühwarm aufzutischen, was man soeben vernommen hat.

    Verschwiegenheit ist das A und O, sei dies in einer Freundschaft oder auch im geschäftlichen Bereich.

    Verspiele das in dich gesetzte Vertrauen nicht, indem du einem ungesunden Geltungsdrang nachgibst, in dem du das Gehörte gleich weiter erzählst. Du hättest es selber nicht gern, also komme nicht einmal auf die Idee auch nur andeutungsweise etwas preiszugeben, was du selber von dir nicht erzählt haben möchtest, weil du es im Vertrauen jemandem gesagt hast.
    Leider treffe ich immer wieder auf Personen, bei denen ich mir schon nach den ersten Ausführungen denke: „Dem erzähle ich nichts Persönliches!“ Denke daran: Wenn du jemanden dadurch kennengelernt hast, dass er dir alles Mögliche und Unmögliche von nicht anwesenden Personen erzählt hat: Sei auf der Hut und mache es besser!

Das sind meine 12 Tipps für gute Tipps. Ich hoffe, sie helfen dem einen oder anderen, regen zum Nachdenken über die eigenen Handlungen an. Natürlich nehme ich auch gerne weitere Tipps entgegen. Oder Erfahrungsberichte, was du darin erlebt habt. Was würdest du anders machen?

 

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