„Mischt! Scho wieder in ä Abofalle trampet!“ Ich hatte soeben eine Abbuchung über Fr. 49.35 erhalten und kontrolliert, ob die gestrige Online-Transaktion von 10 Cent verantwortlich dafür ist. Natürlich war sie das. Dabei wollte ich doch nur ein passendes Bild mit einem „Gratis“-KI-Bild-Generator für eins meiner Hobbies machen. Denn diese „Fertigkeit“ hat die künstliche Intelligenz tatsächlich schon in hohem Mass, wie ich finde, ein gewünschtes Bild zu generieren. Als ich am Schluss des Vorgangs dann das Bild herunterladen wollte (es hat mir gut gefallen), ploppte auf einmal der Hinweis auf, dass dies 10 Cent kostet. Okay, doch nicht ganz gratis, aber das war es mir wert. So genehmigte ich eine Online-Zahlung von 10 Cent. Ohne zu realisieren, dass gleichzeitig ein Monatsabo für diesen Dienst gebucht wurde. Tags darauf wurde mir das Monatsabo belastet. Inzwischen habe ich es wieder gekündigt und die Zahlung reklamiert bei der Bank und hoffe nun, dass das Geld wieder zurückfliesst. Aber s’isch doch eifach ärgerlich!
Apropos Abo: Heute kann man wohl bald mehr abonnieren als kaufen. Während es vor 30 Jahren ein paar klassische Abo Modelle gegeben hat, wie Zeitungs- oder / Zeitschriften Abos, ÖV-Abos und erste überteuerte Mobile-Abos, sind heute Abos state-of-the-art. Man kann Socken und Unterwäsche abonnieren (Waschen täte es ja zwar auch), zahlt für Musikdienste (alle gekauften Vynilplatten und CD’s verstauben) und für Online-Speicher lässt man auch einen Batzen monatlich liegen, muss sich dann aber keine Gedanken darüber machen, ob die Festplatte des Computers schlapp macht. Die Daten sind ja noch in der Wolke!
Wenn man nach den skurrilsten Abos sucht, stösst man auf Tierknochen-Abos (jeden Monat einen neuen einmaligen Tierknochen per Post! Oh, wie appetitlich!) oder von zwei namhaften deutsche Autoherstellern auch Sitz- und Lenkradheizungs-Abos („Zahlst de net, schlotterst du!“), Prepper-Boxen (monatliche Überlebenstipps für Weltuntergangsszenarien) und… und… und…! Hauptsache, der Zaster fliesst regelmässig!
Vor ein paar Jahren ist mir schon mal so ein Fauxpas passiert. Ich hatte EIN Hörbuch bestellt und auf mein Handy heruntergeladen. Damit wurde aber ebenfalls ein Monatsabo für knapp 10 Franken für ein Hörbuch pro Monat aktiviert (stand mit Sicherheit im Kleingedruckten, aber wer liest das scho?) und als ich nach 2 Jahren mal diesen seltsam kleinen, unauffälligen Betrag genauer unter die Lupe nahm, der mir bisher in der Kreditkartenabrechnung immer unter die Rubrik „Mis liäbe Fraueli hät sich sicher do öppis gleischtet!“ aufgefallen war, kam es ans Licht. Meine Frau verneinte, dass sie regelmässig etwas mit Karte bezahlte. Und schliesslich war der Fall klar. Ich hatte 24 Hörbücher im Abo „gekauft“, die ich nie wollte. Ich stritt noch kurz mit dem Dienstleister, welcher mir schliesslich die Hälfte der Hörbücher erliess und den Betrag zurückerstattete. Trotzdem musste ich noch 12 Hörbücher suchen, die meinem Geschmack entsprachen. Doch auch dieses Problem wurde gelöst.
Ach, liebe Leute, ich wünsche mir, dass ich wieder ein Word oder ein Excel oder ein Betriebssystem für einen Computer kaufen kann und es nicht mieten muss. Ich wünsche mir, dass ich etwas online erwerben kann ohne gleich befürchten zu müssen, ein Abo gelöst zu haben, ja, ich wünsche mir in dieser Hinsicht die guten, alten Zeiten zurück, anno dazumal, wo ein Versprechen noch Gültigkeit hatte. Ich möchte wieder, wie in einem physischen Laden, etwas kaufen, erwerben, und wissen, was ich erworben habe, nicht, was ich noch damit unerwünscht erhalten werde – und dafür bezahle.
Okay, ihr nennt mich jetzt vielleicht altbacken, realitätsfremd, stur, Grufti oder einfach borniert! Mag sein, dass die eine oder andere Bezeichnung zutrifft. Aber bitte, wenn borniert, dann wenigstens ABOrniert! Danke!
Stefan Wanzenried
Federdirigent.ch


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