Dein Leben ist ein Gedicht

Wenn ich an einem Gedicht schreibe, dann ist dies meist Knochenarbeit…, meine Hirnknochen sind auf Hochtouren. Ich feile an den Worten, Aussagen und Reimen bis ich davon überzeugt bin, dass es gute, stimmige Verse mit der gewollten Aussage sind. Vorher möchte ich nicht (mehr) Gedichte der Öffentlichkeit preisgeben. Denn nun ist es eine Leidenschaft von mir. Das war nicht immer so, darum findest du in meinem Repertoire ältere Gedichte, die nicht so konsequent mit meinem heutigen Standard umgesetzt sind. In diesem Umstand sehe ich eine Parallele zu unser aller Leben. Schreibst du dein Gedicht? Wenn ja, wie?

Mein Leben ist Patchwork. Da ein Erfolg, dort eine Krankheit, hier eine Ausbildung, vor zwei Monaten habe ich gerade ein Krise überwunden, 1992 durfte ich unseren Erstgeborenen in den Armen halten, ich darf meinen Eltern im Alter eine Stütze sein, 1988 für ein halbes Jahr in England gelebt, mit einem Freund nach Russland gepilgert, Stelle verloren, um gleich eine bessere zu finden, Alphütten-Dasein zelebriert, anfangs der Neunziger mit meiner lieben Frau Jugoslawien (damals hiess es noch so) bereist, letzten Sommer als stolzer Vater an der Diplomfeier meiner Tochter teilgenommen, Freunde in Not begleitet, und… und… und… Patchwork halt. Vermutlich nennt man das Leben.

Dein Leben ist ein Gedicht - Patchwork

Viele Dinge können wir in unserem Dasein aussuchen, aber manchmal reagiert das Leben in einer Anwandlung von Herrschsucht nur allzu menschlich – es versagt. Verluste treffen uns, ein schrecklicher Unfall nimmt uns die Würde oder wir geraten unerwartet in eine Sucht, weil wir zu spät realisieren, was sich gerade abspielt. Kein Freund ist uns zur Seite gestanden und hat uns gewarnt.

Schöne und hässliche Momente in unserem Leben sind wie einzelne Worte in einem Gedicht. Du hast das Thema, das Leben gibt die Worte vor. Die Aufgabe des Dichters ist, den Reim zu finden. Leider gibt es heute viele Dichter, die es mit dem Reimen nicht so genau nehmen. Ihnen gefallen die Ungereimtheiten besser…, zumindest behaupten sie das. Vielleicht ist es aber auch einfach Faulheit und das Verschliessen der Augen vor der Tatsache, dass noch Verbesserungspotential vorhanden ist. Was man dann künstlerische Freiheit nennt. Diese unterschiedliche Sicht der Dinge gilt auch für Lebensdichter, für dich und mich.

Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, sehe ich beides: Schönes und Hässliches, Gelungenes und Missglücktes, Erfolg und Zerbruch. Im Rückblick bin ich aber kein Rosinenpicker. Beide Extreme, Gutes und Schlechtes, haben mein Leben beeinflusst…, und beides, man höre und staune, zum Guten. Allzuoft erlebe ich, dass mir Menschen von ihren schönen Zeiten erzählen, von Gelungenem und Hochzeiten. Selten werden weniger rühmliche Dinge aus der Mottenkiste der Vergangenheit hervorgekramt und mit dankbarem Herzen mir erzählt. Wieso auch?

Wieso nicht? Ich möchte Lebens-Alchymist sein. Ich möchte sehen, wie meine Asche in Gold verwandelt wird, immer wieder. Das geht nur im wirklichen Leben. Nicht in der Theorie. Und ich habe es erlebt. Mir wurde zum Gewinn, dass ich die ersten 33 Jahre meines irdischen Daseins mit Epilepsie verbringen musste, bis ich im Jahr 2000 durch eine Operation davon vollständig befreit wurde. Heute weiss ich besser als andere, wie es sein muss, mit einer chronischen Krankheit zu leben, überhaupt mit Leid umzugehen. Mir (bzw. uns) wurde es zum Gewinn, dass ich unsere Ehekrise im Jahr 2006 nicht auf die leichte Schulter nahm, sondern Hilfe einforderte und an meinem Eheversprechen festhielt. 12 Jahre später dürfen wir von unserer beider Liebeshartnäckigkeit die Früchte ernten. Aus Asche wird immer wieder Gold. Das Wort findet seinen Reim. Das Gedicht wird immer wieder stimmig.

Ich weiss, es tönt alles so einfach. Im Grunde ist es das auch. Nur an der menschlichen Umsetzung happert es meistens, wenn es nicht gelingt, wenn der Reim holpert. Darum möchte ich dir nicht vorenthalten, welches noch nicht erwähnte Patchwork-Teil, welches Wort mein Leben am Meisten geprägt hat: Jesus Christus! Zusammen mit ihm finde ich immer den rechten Reim in meinem Leben. Weil ich ihn zu meinem Lebensdichter ernannt habe und er diesen Job wirklich gut und zuverlässig macht, wird mein Leben richtig gut geschrieben. Jedes Wort erhält den richtigen Platz, an jedem Reim wird gefeilt. Und in dieser Hinsicht ist Jesus Perfektionist. Er lässt nicht locker bis der Reim passt. Der beste Dichter aller Zeiten.

Mein Leben ist ein Gedicht – ein gutes Gedicht. Ich möchte, dass es ein gutes Gedicht ist und noch besser wird. Darum will ich mit Jesus mein Leben immer wieder anschauen und erkennen, wozu augenscheinliches Unglück, aber auch Glück, nötig war. Wie schreibst du an deinem Gedicht? Reimt es sich schon? Willst du überhaupt das es sich reimt? Oder begnügst du dich mit den Ungereimtheiten?

 

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