Der kursive Punkt

Keine Ahnung, ob du dir darüber schon jemals Gedanken gemacht hast. Kennst du den Unterschied zwischen einem Punkt und einem kursiven Punkt? Siehst du, wie ich, den Unterschied…. nicht? Oder erst auf den zweiten Blick? Welcher der oben dargestellten Punkte ist kursiv? Erst schauen, dann weiterlesen.

Na, herausgefunden? Es sind zwei: Der erste und der letzte Punkt sind kursiv formatiert.

Der einzige Anhaltspunkt liegt im Abstand zwischen den kursiven Zeichen und der Normalschrift. Nur darum kann man einen Unterschied feststellen. Der vorderste Punkt hat mehr Abstand zum zweiten und der letzte Punkt schmiegt sich enger an den zweitletzten. 

Jedoch ein einzelner kursiver Punkt verglichen mit einem einzelnen Punkt in Normalschrift…

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…da sehen du und ich keinen Unterschied. (Der zweite ist kursiv).

Manchmal kommt es mir so vor, als ob wir in unserem Leben versuchen die kursiven Punkte zu umschiffen oder zu verschweigen. Wenn ich mal „schräg“ drauf bin und falsch handle, ein falsches Wort sage oder mich daneben benehme, dann kann es gut sein, dass ich mich noch wochenlang an dieses Kursiverlebnis erinnere und die ganz normalen und aber immer noch guten Erlebnisse nicht mehr wahrnehme. Sie fallen ja nicht auf. Aber dieser eine kursivdüstere Punkt in der Aneinanderkettung von Punkten, bzw. Erlebnissen macht mir zu schaffen. Doch du ahnst es vielleicht schon: nur mir! Und in deinem Fall: nur dir!

Warum ist das so?

Was zeichnet eigentlich Kursivschrift aus? Warum verwendet man sie? Genau, um etwas hervorzuheben. Die schrägen Momente in meinem Leben fallen zwar auf, aber auf der anderen Seite lassen sie mich auch menschlicher erscheinen. Menschlicher vielleicht, als meine Erwartungen an mich selber es zulassen. Menschlicher, weil ich ein Mensch und nicht ein Übermensch bin. Wenn du gleich tickst wie ich, dann habe ich dir einen Tipp, bzw. stelle dir eine Frage, die du bitte nicht zu vorschnell beantwortest:

Könnte es sein, dass dieser kursive Moment, dieser Fehler, dieses Versagen, dieses „ach nur allzu menschliche“ Malheur dich für deine Umgebung sympathischer macht?

Nicht aufgrund Schadenfreude, sondern weil dein Gegenüber merkt, dass du doch nicht so makellos bist, wie du immer vorgibst zu sein.

Mir hilft es, wenn ich realisiere, dass SOGAR ICH Fehler machen darf. Die anderen wissen das vermutlich schon lange und denken schon gar nicht mehr an das Kursiv-Erlebnis, mit dem ich mich nach 53 Tagen immer noch beschäftige.

Versöhne dich damit, stehe auf, lerne daraus und gehe einfach weiter. Vielleicht ist auch eine Entschuldigung angesagt. Es fällt dir keinen Zacken aus der Krone, wenn du diesem Impuls nachgibst, sondern verleiht dir eher Achtung in den Augen deines Gegenübers.

Und dann punkte weiter in deinem Leben, (möglichst nicht kursiv 😉 ) und freue dich an den normalguten Stunden und erst recht an den Sternstunden deines Daseins.

Interessant ist es auch, wie Jesus mit unseren kursiven Punkten umgeht. Da wird eine Frau des Ehebruchs bezichtigt. Man hat sie in Flagranti erwischt (natürlich nur sie!) und nun möchte der religiöse Mob sie steinigen. So steht es schliesslich im Gesetz.

Zunächst kümmert Jesus sich gar nicht darum einen Urteilsspruch zu fällen, sondern schreibt in den Sand. Doch als die mit Steinen bewaffnete Menge nicht Ruhe gibt, sagt er nur: „Wer von euch ohne kursiven Punkt im Leben ist, der werfe den ersten Stein!“ Nein, hat er natürlich nicht wörtlich so gesagt, aber sinngemäss. (Nachzulesen in der Bibel, Johannes 8, 1-11). Er appelliert nicht an das Gewissen mit Schuldzuweisung, sondern mit dem Schuldbewusstsein jedes Einzelnen. Und dann fliegen sie, die Steine, in den Staub, links und rechts zu Füssen der Schuldbewussten. Und alle machen sich aus dem Staub.

Am Schluss ist nur noch die Frau und Jesus auf dem Richtplatz und da hört sie die Worte: „Ich verurteile dich auch nicht. Du kannst gehen. Aber mache keine kursiven Punkte mehr in deinem Leben.“

Die kursiven Punkte gehören zu deinem Leben und du darfst auch dazu stehen. Wer genauer hinschaut, realisiert sie vermutlich ohnehin. Und du musst dir bewusst werden, wie du diese kursiven Punkte in deinem Leben akzeptierst und dir vergeben kannst.

Mir hilft es nicht nur, dass ich selber Fehler machen darf, sondern auch der Umstand, dass Jesus sich nicht darum kümmert, dass es passiert ist, sondern dass es ihm viel wichtiger ist, dass ich wieder aufstehe und mit IHM weitergehe. Schritt für Schritt, Straucheln für Straucheln, Aufrappeln für Aufrappeln, Freude für Freude.

Und jetzt mache ich einen Punkt.

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